Die Waffe der Kritik braucht ein Magazin

Von Jonas Pohle

KünstlerInnen und LeserInnen kämpfen für den Erhalt der „Melodie & Rhythmus“, die sich in den letzten Jahren vom Musikmagazin zum Magazin für Gegenkultur gewandelt hat.

Im Januar haben informierte der Verlag 8. Mai, in dem u.a. die Tageszeitung junge Welt erscheint, dass die Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus vorerst nicht mehr erscheinen könne. Die Melodie & Rhythmus (M&R) wurde 1957 gegründet und war das beliebtestes Musik- und Kulturmagazin der DDR. Nach 1990 eingestellt, erschien sie seit 2004 wieder. 2009 übernahm der Verlag 8. Mai die Herausgeberschaft, 2017 wurde die M&R zu einem Magazin für Gegenkultur weiterentwicklet.

Grund für die Einstellung waren jedoch nicht die schlechten Verkäufe nach der Umstellung, sondern die Tatsache, dass ein solch ambitioniertes Projekt auf festen Füßen stehen muss, sowohl finanziell als auch personell. Das war nicht gegeben. In Anbetracht der Tatsache, dass ein linkes Magazin für Gegenkultur aber heute besonders wichtig ist, und angesichts der zahlreichen Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern, Künstlern und anderen Kulturschaffenden, wurde beschlossen, Bedingungen für die weitere Herausgabe der M&R zu schaffen.

In einem ersten Schritt sollen bis zum 30. Juni 2018 1.000 neue Abonnenten gefunden werden. Wird dieses Ziel erreicht und die ersten Anzeigenkunden für Jahresverträge gewonnen, kann die nächste Ausgabe der Melodie & Rhythmus am 15. Dezember 2018 wieder erscheinen.

Zahlreiche Künstler und Intellektuelle haben bereits erklärt, warum sie die M&R für nötig und unterstützenswert halten, darunter der Theaterregisseur Johann Kresnik, der Kabarettist Christoph Sieber, der Komponist Genoël von Lilienstern und der Rapper Jason Williamson von der Band Sleaford Mods. Der Liedermacher Konstantin Wecker erklärte zum Beispiel: »Dieses Gegenkultur-Magazin ist unverzichtbar in diesen Zeiten, in denen ganz bewusst die Stimmen unterdrückt werden, die im Sinne Brechts eine veränderbare Welt beschreiben und besingen wollen. Jedes M&R-Abo ist ein Ausdruck des Widerstands!«

Endlich wieder ehrlicher Fußball

Von Mirco Kolarczik

Am Pfingstwochenende findet in Berlin-Pankow die 32. Deutsche Alternativmeisterschaft statt.

Es ist trostlos: Gähnende Langeweile in der 1. Bundesliga, finanzielle Exzesse im europäischen Fußball. Schnauze voll davon? Dann bietet die 32. Deutsche Alternativmeisterschaft (DAM) vom 18. bis 21. Mai auf der Sportanlage Rennbahnstraße in Berlin-Pankow den ehrlichen Fußball, den ihr euch wünscht. Insgesamt treten 34 Mannschaften an, die vielversprechende Namen wie „Vibrator Moskovskaya Bremen“ oder „Laufen Sollen Die Anderen Bielefeld“ tragen. Auch die Bewerbungsvideos der Teams, die unter dam2018.de angeschaut werden können, versprechen neben Spitzensport auch die Extraportion Trinkfestigkeit.

Ausrichter der diesjährigen DAM sind die „Roten Hosen Ost-Berlin“, die letztes Jahr in Regensburg den Alternativmeistertitel erringen konnten. Da die nächste DAM immer am Herkunftsort des Meisters stattfindet, stehen die Chancen für eine 33. DAM in Kassel (mit insgesamt sechs Teams vertreten!) oder Bremen (fünf Teams) nicht schlecht. Für alle, die dieses Jahr am Pfingstwochende durch die weite Anreise oder den Besuch eines Pfingstcamps verhindert sind, wird Rotes Deutschland natürlich in der kommenden Ausgabe berichten.