Mit Marx & Mut: Gemeinsam für ein rotes Berlin

Von Mirco Kolarczik

Pünktlich zum 200. Geburtstag von Karl Marx erscheint die Erstausgabe von „Rotes Berlin“.

Hätten wir den ollen Marx nicht, man könnte es mit der Angst zu tun bekommen: Konfliktherde brechen überall auf der Welt auf, Millionen Menschen sind auf der Flucht, wir erleben eine Konfrontation der Großmächte wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Und überall um uns herum sehen wir Mitmenschen, deren Ängste in Hass umschlagen – Hass auf Fremde, Hass auf die Schwachen, letzten Endes Hass auf alles außerhalb der eigenen Wahrnehmungsblase. Die Gesellschaft driftet vermeintlich unaufhaltsam nach rechts, zuerst in ein „Wir gegen die“, am Ende in ein „Ich gegen den Rest der Welt“.

Aber zum Glück haben wir den ollen Marx, und der hilft uns auch über seinen 200. Geburtstag hinaus, die Welt etwas besser zu verstehen. Er sagt uns klar und eindeutig: Nichts auf dieser Welt kommt von ungefähr, alles hat seine materiellen Ursachen! Und außerdem: Niemals etwas aus dem Zusammenhang reißen! Das ist der dialektische Materialismus, der uns zu verstehen hilft, dass die Ängste der Menschen heute nicht ohne die Begriffe „Agenda 2010“ und „Hartz IV“ gedacht werden können. Diese Ängste sind real, denn die Gefahr des sozialen Absturzes ist in dieser Gesellschaft ganz real geworden. Der eigenen Hände Arbeit schützt heute nicht mehr vor Armut im Alter. Dieses „Sein“ bestimmt eben „das Bewusstsein“ – das werden wir als MarxistInnen nicht vergessen. Und ebenso wenig werden wir vergessen, dass die Kriege, die Menschen in die Flucht treiben, ihre Profiteure haben: Es sind die Banken, Konzerne und ihre Aktionäre, die sich unseren Staat insbesondere seit der Finanzkrise 2008 untertan gemacht haben. Ja, auch der Klassenfeind ist ganz real. Wir und sie, wir haben tatsächlich nichts gemein. Der Klassenkampf tobt. Marx hat es uns erklärt. Aber bewusst ist es uns noch nicht.

Genau da wollen wir mit unserer Zeitung ansetzen. Wenn wir von „Wir“ sprechen, meinen wir keine Volksgruppe und keine Staatszugehörigkeit. „Wir“, das sind all die Menschen, die zu wenig besitzen, um allein von ihrem Besitz leben zu können. Und das sind fast alle. Wir rufen zur Solidarität auf, wollen zeigen, dass wir gemeinsame Interessen haben und auch gemeinsam handeln können. Du und ich, die wir in einer Nachbarschaft wohnen. Deshalb erscheint unsere Zeitung nicht nur als „Rotes Berlin“, sondern aktuell auch als „Rotes Deutschland“ und „Rote Förde“ (für die Region Kiel). Unsere Zeitung wird unter rote-zeitung.de ein umfassendes Online-Leben bekommen, aber das wahre Leben, das spielt in deiner Wohnung. Deshalb kommen wir in deinen Briefkasten. Oben rechts steht ein Preis von 20 Cent auf der Zeitung. Wenn Du diese Zeitung im Briefkasten gefunden hast, dann hat sie dir ein freundlicher Mitmensch geschenkt. Bei uns kauft (im Regelfall) nicht der Leser, wir sind eine „Verschenk-Zeitung“, um auf dem Weg der gelebten Solidarität ins Gespräch zu kommen.

„Zeitung für linke Kultur und sozialistischen Aufbau“ ist unser Untertitel – doch was heißt das konkret? Und ist das nicht anmaßend? Der linke Kulturraum ist heute gespaltener denn je. Unser Autor Fabian Lehr zeigt auf unserer Thema-Seite 6/7, was wir von den Erfahrungen des jungen Marx daraus heute lernen können. Wichtig ist uns auch, über den deutschen Tellerrand hinauszuschauen. Nur weil in Deutschland der erste Sozialismusversuch vor dreißig Jahren gescheitert ist, heißt das nicht, dass das im Weltmaßstab gilt. In der Volksrepublik China vollziehen sich derzeit interessante Umbrüche. Die Kommunistische Partei gestaltet dort die Gesellschaft aktiv und wird in wenigen Jahren die absolute Armut erstmals in der 5000-jährigen Geschichte Chinas besiegt haben. Und auch das sozialistische Kuba, wo gerade ein neuer Präsident gewählt wurde (Seite 8), geht seinen eigenen, konkreten Weg zum Sozialismus. Das wollen wir regelmäßig und voll solidarisch begleiten. Alle zwei Monate erscheint eine neue Ausgabe. Unterstützt uns dabei! Euren Nachbarn zuliebe.